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Im Februar 2005 habe ich von Tattoo Alberto die Sammlung des Tattoo Museum Antwerpen übernommen und stelle sie seit dem dort kostenlos in meinem Vorraum aus.
Das Museum in Antwerpen war das erste seiner Art in Europa und wurde 1971 gegründet . Es verfügte über ein einmaliges Repertoire an alten Tattoovorlagen wovon ein Teil, zum Beispiel von Christian Warlich, Milton Zeis, Percy Waters, George Burchett, Bert Grimm, Peter de Haan oder auch Sailor Jerry .
Dort sind unter anderem
alte Tattooflash, Fotos, Schilder,  entfernte tätowierte Haut, Tattoomaschinen und traditionelle Tattoowerkzeuge aus dem Südseeraum  .




Christian Warlich  * 5.11.1890   +27.2.1964Wahre Meister der Traditional Tattoos waren der in New York arbeitende, deutschstämmige Charles Wagner und der in Hamburg auf St. Pauli tätige Christian Warlich, die zum Ende des 19. Jahrhunderts bis in die späten 1940er Jahre ihre Blütezeit erlebten.


Christian Warlich  König der TätowiererIhre Traditional Tattoos überzeugen heute durch fette Outlines, kräftige Farben und einfach strukturierte Motive. Meist nennt man sie dann auch Oldschool.
Der König der Tätowierer in seiner
Kneipe

Charles Young tätowiert von Charlie Wagner ca 1940Charles Young , tätowiert von charlie Wagner ca. 1940

  Rechts Tattoo Peter  Amsterdamm(Tattoo) Peter De Haan 1925-1984 rechts mit einemKundem im seinem Laden in Amsterdam

Tattoos von Bert Grimm an Captain Elvy ca. 1930


Colonel Todd Tattoomaschine


Seit Jahrtausenden wird tätowiert und auf allen Kontinenten waren Tätowierungen weit verbreitet.


Tätowierte  Mumie aus Sibirien SkythenIn den letzten Jahrzehnten wurden bereits mehrere Mumien entdeckt, die auf ihrer Körperoberfläche Tätowierungen aufweisen .

In September 1991 wurde am Similaungletscher in Tirol in 3200 m Seehöhe eine Mumie entdeckt, die seither Einblicke in die Zeit der Jungsteinzeit wie noch kein anderer Fund zuvor gewährt hat. Sie hat bereits in verschiedenen Fachbereichen Anlaß zu völlig neuen Interpretationen geliefert. Ähnliches ist für die zukünftige, historische Beurteilung der Akupunktur zu erwarten. Die 47 Tätowierungen am Mann aus dem Eis stehen nämlich in einem Zusammenhang mit dieser alten, medizinischen Methode.

Tätowierungen einer skythischen Mumie PferdeAn der Hautoberfläche des 1991 in Tirol entdeckten “Mannes aus dem Eis” wurden insgesamt 47 strichförmige Tätowierungen entdeckt, die in 15 Strichgruppen zusammengefaßt sind. Diese Tätowierungen liegen nicht nur in einem hohen Prozentsatz an Lokalisationen klassischer Akupunkturpunkte, sondern entsprechen aus der Sicht der Akupunktur einer konstitutionellen, antirheumatischen Therapie. Nachdem die ältesten Zeugnisse einer Akupunktur-Anwendung in China aus dem 2. Jhd. v. Chr. stammen, der Mann aus dem Eis jedoch vor 5200 Jahren gelebt hat, kann durch diese Entdeckung der Ursprung der Akupunktur um drei Jahrtausende vordatiert werden. Auch kann China nicht mehr als isolierter Entstehungsort der Akupunktur angesehen, sondern die Entwicklung dieser Methode in einem größeren, euroasiatischen Zusammenhang gesehen werden.

Tätowierungen einer skythischen MumieEinige Mumien tragen offensichtlich ornamentale Tätowierungen, während andere Hautzeichnungen aufgrund der Lokalisation am Körper, ihrem Aussehen oder anderer Faktoren nicht als ornamentale Tätowierungen verstanden werden können.Die Hamburger Archäologie-Professorin Renate Rolle wies bereits 1992 im Beispiel einer skythischen Mumie darauf hin, daß Schmucktätowierungen und andersartige Tätowierungen auch gleichzeitig vorkommen können .Auf dieser Abbildung ist sehr gut der unterschiedliche Charakter der kunstvollen Tätowierungen am Oberkörper und der einfachen, punktförmigen Hautmarken im Bereich der Lendenwirbelsäule ersichtlich.

 Frau Prof. Rolle ging mit Sicherheit davon aus, daß die einfachen Tätowierungen zu therapeutischen Zwecken angefertigt wurden. Sie verwies in ihrer Argumentation auf vergleichbare, therapeutische Praktiken in Tibet und Indien .

Tätowierungen einer skythischen Mumie
Der Innsbrucker Archäologie-Professor Konrad Spindler fand Mumien mit vergleichbaren Tätowierungen in der Necropolis von Chiribaya Alta im südlichen Peru . Wieder erkennt man aufwendige Schmucktätowierungen an den Armen und einfache, kreisförmige Hautzeichnungen am Nacken, der bei den peruanischen Ureinwohnern von Haar und Kleidung bedeckt war. All diesen Funden ist eines gemeinsam: Die Tätowierungen weisen eine sehr einfache, schmucklose Form auf und finden sich an Körperstellen, von denen nicht angenommen werden kann, daß sie zur Schau gestellt werden. In allen Fällen kann wie bei den Tätowierungen des Eismanns schon allein aufgrund der angegebenen Gründe davon ausgegangen werden, daß sie zu therapeutischen Zwecken angefertigt wurden.

Ötzi Eismann aus TirolVon den 15 Tätowierungsgruppen (zwei Kreuze und dreizehn Gruppen mit parallelen Strichen) liegen neun exakt auf bzw. weniger als 5 mm von einem klassischen Akupunkturpunkt entfernt. Zwei weitere Strichgruppen liegen auf einem klassischen Meridian. Eine Strichgruppe steht in keinem Bezug zum Meridiansystem, liegt aber als lokaler Punkt auf dem arthrotisch veränderten, rechten Sprunggelenk. Drei Tätowierungen sind 6 bis maximal 13 Millimeter von nächstgelegenen Akupunkturpunkt entfernt.

Bezüglich des Entwicklungsgrades der Akupunktur unterscheiden wir drei Stufen: Die einfachste Form der Akupunktur ist die sogenannte “locus dolendi Akupunktur”, wobei eine Nadelstimulation einer Hautzone in unmittelbarer Nähe des erkrankten Körperteils gesetzt wird. Die zweite Entwicklungsstufe der Akupunktur verwendet bereits sogenannte Fernpunkte, von denen bekannt ist, daß sie reflektorisch auf das erkrankte Körpergebiet einwirken können, obwohl sie weit davon entfernt liegen. Bei der Anwendung der dritten und höchsten Entwicklungsstufe, der “konstitutionellen Akupunktur”, versucht der Therapeut, auf die grundlegenden Schwächen eines Patienten einzugehen, diese auszugleichen und so einen möglichst tiefgreifenden und
dauerhaften Effekt zu erzielen.

Akupunktur Tätowierungen an der Wirbelsäule Ötzi Eismann aus TirolSogar die höchst Entwicklungsform, die konstitutionelle Akupunktur, fand bereits beim Eismann Anwendung: Zur Therapie von tiefliegenden, rheumatischen Schmerzen, Knochen- und Gelenksveränderungen und Beschwerden, die sich vor allem unter Kälteeinfluß verstärken, werden noch heute in der Literatur vor allem zwei Punkte angegeben (5, 6, 7): Blase 23  in der Höhe des 2. und 3. Lendenwirbelkörpers, zwei Fingerbreiten lateral der Dornfortsätze und der Punkt Niere 7, zwei Daumenbreiten oberhalb des Innenknöchels direkt vor der Achillessehne gelegen . Diese beiden Punkte wurden beim Mann aus dem Eis exakt getroffen

Akupunktur Tätowierungen an der Verse Ötzi Eismann aus TirolSomit kann festgestellt werden, daß durch diese Entdeckung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die historischen Ursprünge der Akupunktur, die bisher mit etwa 1000 v. Chr. angegeben wurden, um über 2000 Jahre auf 3200 v. Chr. vordatiert werden können. Daneben ist die bis dato gängige Vorstellung zu revidieren, daß die Akupunktur ausschließlich im fernen Orient entwickelt wurde und in unserem Kulturkreis keine entsprechenden Therapieformen vorhanden waren. Vielmehr ist anzunehmen, daß im mitteleuropäischen Raum bereits hunderte Jahre vor der Lebenszeit des Eismanns Vorformen der Akupunktur praktiziert wurden und der hochentwickelten Akupunktur-Methodik, die wir am Eismann erkennen können, eine intensive Entwicklungsphase vorausging. Somit wird der jungsteinzeitlichen mitteleuropäischen Medizin im internationalen Vergleich zukünftig ein wesentlich höherer Entwicklungsgrad zuerkannt werden müssen, als bisher angenommen wurde.







Die Autoren möchten folgenden Institutionen und Personen für die konstruktive Zusammenarbeit danken: Dem Südtiroler Archäologie-Museum in Bozen, Prim. Dr. E. Ehgarter Vigl, Bozen und Univ. Prof. Dr. G. Dohr, Graz und OGKA.

Literatur
1.      Rolle R.: Die skythenzeitlichen Mumienfunde von Pazyryk – Frostkonservierte Gräber aus dem Altaigebirge. In (2), 334 - 358.
2.      Höpfel F., Platzer W. und Spindler K. (Hrsg.): Der Mann im Eis, Band 1. Veröffentlichungen der Universität Innsbruck, 1992
3.      Rolle R.: Betrachtungen zur Heilkunde antiker Reiternomaden aus archäologischer Sicht. In: Saternus K., Bonte W. (Hrsg.): Forensische Osteologie, (185 – 211), Schmidt-Römhild Verlag, Lübeck 1995
4.      Zur Nedden D., Wicke K.: The Similaun Mummy as Observed from the Viewpoint of Radiological and CT Data. In (2), 131 – 148.
5.      Essentials of Chinese Acupuncture, compiled by Beijing, Shanghai and Nanjing College of TCM, Foreign Languages Press, Beijing, 1980
6.      Acupuncture, a comprehensive text, Shanghai College of TCM, translated and editet by J. O’Connor an D. Bansky, Eastland Press, Seatle, 1996
7.      Maciocia, G.: The Foundations of Chinese Medicine, a comprehensive text for acupuncturists and herbalists, Churchill Livingstone, Edinburgh/London/Melbourne/New York,